Spinnkreis Retschow

Projekte Färben- Einen Pullover färben mit Lärchenrinde

Als ich mit dem Spinnen begann, hatte ich mir vorgenommen: Es soll kein teures Hobby werden! Ein Spinnrad muss sein, klar, aber dauernd irgendwelchen Kram kaufen wollte ich nicht. Die Wolle hatte ich geschenkt bekommen und auch das Färben sollte so kostenneutral bleiben, wie möglich. Aber: Ich wollte rot!

Der Krapp, den ich in meinem Garten aussäte, wuchs nur mäßig. Norddeutschland ist nicht sein bevorzugter Lebensraum. Drei Jahre warten, um vielleicht ein paar Gramm Wurzel zu ernten? Ich suchte nach Alternativen und fand: Färbung mit Lärchenrinde!

Das war ein Projekt nach meinem Geschmack. Es war Spätherbst, der Holzeinschlag in den Wäldern hatte begonnen und ich ging zum Rostocker Stadtförster mit der Frage, ob ich mir von den gefällten Lärchen vielleicht ein wenig Rinde abschälen dürfte. Ich stieß auf erstauntes Interesse. Davon, dass man mit Lärchenrinde Wolle färben kann, hatte er noch nicht wirklich gehört. Aber ein Revierförster zeigte mir einen Stapel frisch gefällter Lärchen, erklärte mir, dass man Rinde am besten mit einem geschärften Spaten vom Baum schälen könne und gab mir auch noch die Erlaubnis, mit dem Auto vorzufahren.

Ich begeisterte meinen jüngeren Sohn für das Projekt und an einem Sonnabend Nachmittag fuhren wir los: Im Auto ein paar leere Körbe, ein geschärfter Spaten, eine geschärfte Metallschippe, ein kleines Handbeil, mehrere Taschenmesser, eine Thermoskanne mit heißem Tee. Das Licht wurde schon abendlich, es herrschte leichter Frost und die allerersten Schneeflocken des Jahres fielen vom Himmel. Späte Kraniche flogen rufend über uns hin. Wir machten uns ans Werk.

Schnell war klar, dass die dünne Bastschicht zwischen Rinde und Holz wohl die Trägerin der Farbe sein müsste. Es galt also, sorgfältig zu arbeiten. Die Rinde schälte sich gut ab, wir hatten schnell ein paar Körbe voll – 200% vom Wollgewicht sollten es werden, der Pullover wog 550 g – 1,1 kg Lärchenrinde würde ich brauchen. Es wurde weit mehr – für weitere Versuche.

Zu Hause schnitt ich die Rinde mit dem Taschenmesser klein und gab sie mit Pottasche und Wasser in einen Topf. (später bemerkte ich, dass man die Rinde zunächst ohne Pottasche zwei Tage lang einweichen soll, das hatte ich in der Begeisterung überlesen) Nun hieß es zwei Tage warten, dann sollte ich das Ganze kochen, abkühlen, abseihen, die Rinde ins Färbetuch einbinden. Die beiden letzten Schritte schenkte ich mir und gab den Pullover in den abgekühlten Sud direkt zur Rinde. Auch das im Rezept geforderte Vorbeizen ließ ich weg, weil der Pullover schon unendlich oft gewaschen wurde.

Ich kochte also die Pullover-Lärchenrinde-Suppe eine Stunde lang unter gelegentlichem Rühren.

Was passierte? Der Pullover nahm eine hübsche rötlichbraune (rehbraune) Farbe an – und die Form eines nassen Scheuerlappens. Ich habe seitdem nie wieder ein fertiges Kleidungsstück gefärbt.

Aber: Ich trage den Pullover noch heute – und nicht nur im Garten. Für die Form zog ich Hutgummi in die Bündchen. Dagmar 

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